Filament trocknen: Temperatur- und Zeittabelle
Die meisten Filamente nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf. Feuchtes Filament knackt in der Düse, zieht Fäden und druckt schwache, raue Teile. Ein paar Stunden Trocknen bei der richtigen Temperatur lösen das Problem, und eine Trockenbox hält das Filament danach trocken.
Kurz gesagt: Trockne PLA bei 45 bis 55 °C, PETG bei 55 bis 65 °C, ABS und ASA bei 75 bis 80 °C und Nylon bei 75 bis 90 °C, je nach Material etwa 4 bis 12 Stunden. Am einfachsten geht das mit einem Filamenttrockner. Prüfe immer zuerst das Etikett deiner Spule.
Tabelle: Temperatur und Zeit zum Filament trocknen
| Filament | Temperatur | Dauer | Nimmt Feuchtigkeit auf |
|---|---|---|---|
| PLA | 45–55 °C | 6–8 h | Langsam |
| PETG | 55–65 °C | 6–8 h | Mittel |
| TPU | 60–70 °C | 4–8 h | Schnell |
| ABS und ASA | 75–80 °C | 4–8 h | Mittel |
| PC | 80–90 °C | 4–8 h | Schnell |
| Nylon (PA) | 75–90 °C | 6–12 h | Sehr schnell |
Lufttemperatur in einem Filamenttrockner oder Umluftofen. Die Bereiche fassen die Empfehlungen von Prusa und Bambu Lab zusammen (siehe Quellen unten). Marken und Mischungen unterscheiden sich, deshalb gelten zuerst die Angaben auf deiner Spule. Beginne mit der niedrigeren Temperatur.
Anzeichen für feuchtes Filament
- Knacken oder Knistern an der Düse beim Drucken. Das ist Wasser, das zu Dampf wird.
- Mehr Fäden als sonst, auch mit Einstellungen, die vorher funktioniert haben.
- Raue oder blasige Oberflächen, kleine Löcher und Klumpen.
- Schwache Teile mit schlechter Schichthaftung, die leichter brechen.
- Sprödes Filament, das auf der Spule bricht, was bei altem PLA oft vorkommt.
Meist leidet zuerst die Oberfläche. Wenn ein Material, das gut gedruckt hat, plötzlich schlechter aussieht, trockne es, bevor du Einstellungen im Slicer änderst.
Vier Wege, Filament zu trocknen
1. Filamenttrockner
Ein Filamenttrockner ist eine kleine beheizte Box für eine oder zwei Spulen. Er hält eine gleichmäßige, niedrige Temperatur, und bei vielen Modellen kannst du direkt aus der Box drucken. Das ist die sicherste und einfachste Methode. Achte darauf, dass seine Höchsttemperatur für deine Materialien reicht: Manche schaffen nur etwa 70 °C, das ist zu wenig für Nylon und PC.
2. Druckbett mit Abdeckung
Einige Druckerhersteller beschreiben das Trocknen auf dem Heizbett: Die Spule liegt auf dem Bett unter einer Box oder im geschlossenen Gehäuse. Die Betttemperaturen dafür liegen höher als die Lufttemperaturen in der Tabelle, weil viel Wärme verloren geht, und die Spule muss eventuell nach der Hälfte der Zeit gewendet werden. Nutze diese Methode nur mit der Anleitung deines Druckerherstellers.
3. Dörrautomat
Ein Dörrautomat mit einstellbarer Temperatur eignet sich gut für PLA und PETG. Viele schaffen nicht mehr als etwa 70 °C und reichen deshalb nicht für ABS, Nylon oder PC. Passt die Spule nicht hinein, schneide die Einlegeböden aus.
4. Backofen
Möglich, aber riskant, und Bambu Lab rät davon ab: Die Hitze im Backofen ist ungleichmäßig, und Stellen nahe den Heizelementen werden viel heißer als eingestellt. Viele Öfen halten so niedrige Temperaturen auch nicht zuverlässig, wodurch sich PLA und PETG verformen können. Wenn du ihn trotzdem nutzt, prüfe die echte Temperatur mit einem Ofenthermometer und lass ihn nie unbeaufsichtigt. Nimm keine Mikrowelle: Sie heizt ungleichmäßig und hat keine Temperaturregelung.
Die Spule prüfen
Spulen aus Pappe und die meisten Kunststoffspulen vertragen die Temperaturen für PLA und PETG. Manche Kunststoffspulen werden bei den höheren Temperaturen für ABS, Nylon oder PC weich oder lockern sich. Prusa empfiehlt zum Beispiel für ältere schwarze Spulen über 45 °C eine Schraube durch die Spule. Wenn du unsicher bist, prüfe die Angaben des Spulenherstellers oder beginne mit der niedrigeren Temperatur.
Filament nach dem Trocknen trocken halten
Normale Raumluft hat etwa 45 bis 65 % relative Luftfeuchtigkeit. Die meisten Filamente brauchen weniger als 20 %, um lange trocken zu bleiben, und frisch getrocknetes Filament kann schon nach wenigen Stunden wieder Feuchtigkeit aufnehmen.
- Dicht lagern. Bewahre Spulen in einer luftdichten Box oder einem Vakuumbeutel mit Trockenmittel auf.
- Feuchtigkeit im Blick behalten. Ein günstiges Hygrometer in der Box zeigt, wann das Trockenmittel verbraucht ist.
- Trockenmittel erneuern. Ersetze es oder trockne es nach Herstellerangabe, wenn es die Farbe wechselt oder verklumpt.
- Aus der Trockenbox drucken. Führe Nylon und TPU am besten direkt aus einer Trockenbox oder dem Trockner zu.
Warum sich der Aufwand lohnt
Ein misslungener oder schwacher Druck verschwendet Filament, Strom und Zeit. Eine Spule zu trocknen kostet nur wenige Cent Strom. Was dich ein verdorbener Druck kostet, zeigt der 3D-Druck Kostenrechner. Welches Material zu deinem Projekt passt, steht im Filament-Vergleich.
Häufige Fragen
Kann ich PLA im Backofen trocknen?
Das wird nicht empfohlen. Viele Backöfen halten Temperaturen von 45 bis 55 °C nicht zuverlässig, und die Hitze ist ungleichmäßig verteilt. PLA kann dabei weich werden und auf der Spule verkleben. Wenn du es trotzdem versuchst, prüfe die echte Temperatur mit einem Ofenthermometer und bleib in der Nähe. Ein Filamenttrockner ist sicherer.
Wie lange bleibt getrocknetes Filament trocken?
An offener Luft nicht lange. Laut Bambu Lab nimmt frisch getrocknetes Filament bei etwa 55 % Luftfeuchtigkeit schon nach 2 bis 12 Stunden wieder Feuchtigkeit auf. Selbst bei 20 % bleibt es nur etwa 2 bis 7 Tage trocken. Lagere es deshalb in einer dichten Box mit frischem Trockenmittel, deutlich unter diesem Wert.
Kann ich Filament zu lange oder zu heiß trocknen?
Zu heiß, ja: Das Filament wird weich und die Stränge kleben auf der Spule zusammen. Sehr langes Trocknen kann manche Filamente auch spröder machen. Halte dich an die Temperaturen und Zeiten in der Tabelle und auf dem Etikett deiner Spule.
Muss ich neues Filament trocknen?
Meist nicht, wenn es vakuumverpackt mit Trockenmittel geliefert wurde. Nylon, TPU und PC drucken oft auch neu nach dem Trocknen besser. Zeigt eine neue Spule die Anzeichen für feuchtes Filament, trockne sie.
Quellen
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